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MEP Ride 2011 - aus der Sicht des BU-Stammtischs Kelkheim

 

Einmal im Jahr veranstaltet die FEMA, der Dachverband der europäischen Motorradfahrerverbände, eine Motorradausfahrt mit den Abgeordneten der Europäischen Parlaments. In diesem Jahr sollte die Ausfahrt erneut in Brüssel und nicht in Straßburg stattfinden. Das gibt auch den Mitarbeitern der EU-Kommission und der ständigen Vertretungen der Mitgliedsländer die Möglichkeit, an der Veranstaltung teilzunehmen. Ziel des MEP Rides war die “Clean Week 2020” auf der Rennstrecke in Zolder, auf der der aktuelle Stand zum Thema “grünen Mobilität”, also abgasfrei betriebene PKWs, Busse und natürlich Motorräder, vorgeführt werden sollte.

Einige Wochen vor dem MEP Ride hatte Hilton über unsere email-Verteiler angefragt, ob es BU’ler gäbe, die bereit wären, mit nach Brüssel zu fahren, um an der Veranstaltung teilzunehmen. Neugierig geworden, nahm ich mir zwei Tage Urlaub und meldete mich als Freiwilliger. Mit von der Partie war auch Rossi, die Verantwortliche für unseren BU-Stammtisch. Mein Wecker stand am Tag des Events auf 5:30 Uhr. Diese Zeit ist zwar brutal, aber für mich die einzige Chance, nicht zu spät am Treffpunkt zu erscheinen. So war ich dann auch überpünktlich um 7:40 Uhr an der Esso-Tanke auf der A66 und hatte somit noch 35 Minuten Zeit, mein Frühstück nachzuholen.

Relativ pünktlich bog Rossi um 8:18 Uhr auf die Rastanlage ein und wir rechneten minütlich mit dem Eintreffen unseres Vorsitzenden Hilton.
Die Zeit verging, es wurde 8:30 Uhr, 8:40 Uhr – doch Hilton machte sich rar. Als ich ihn kurze Zeit später auf dem Handy anrief, hatte er gerade zu Hause den Zündschlüssel seines Motorrads gefunden und traf tatsächlich 20 Minuten später ein.

Dann ging es endlich los: Hilton vorneweg, meine Wenigkeit in der Mitte und Rossi bildete das Schlusslicht. Es ging über die A66, dann über die A3 nach Köln, über den südlichen Kölner Ring

 auf Aachen zu sowie über die holländischen und belgischen Autobahnen nach Zolder. Dank Hiltons Navi fanden wir neben günstigen Tankmöglichkeiten auch das Hotel in Zolder recht zügig. Nur ein paar Minuten später war das sperrige Gepäck in den Hotelzimmern und wir weiter auf dem Weg nach Brüssel.

Erwartungsgemäß war der Verkehr in Brüssel recht dicht. Es ging gerade mit Schrittgeschwindigkeit durch einen Tunnel, als meine Schaltung muckte. Ich konnte nicht mehr vom dritten Gang in den zweiten oder ersten Gang wechseln. Dieses „Erlebnis“ hatte ich schon einmal mit meiner Intruder: Dreck bzw. mangelnde Schmierung im Schaltgestänge. Blöderweise waren wir zeitlich recht knapp am Startpunkt des MEP Rides, sodass mir ad hoc niemand helfen konnte und ich den MEP Ride wohl oder übel ohne den ersten, teilweise auch ohne den zweiten Gang meistern musste.

Kurz nach 15:00 Uhr, ich hatte gerade noch Gelegenheit voll zu tanken, ging es dann vom EU-Parlament in Brüssel mit Polizei-Eskorte los. Ein Tross von ca. 100 Motorrädern bewegte sich durch die Häuserschluchten. Jeder Motorrad-Hersteller von Rang und Namen hatte Leihmotorräder zur Verfügung gestellt (insgesamt an die 50), sodass auch die Parlamentarier ohne eigenen Bock mitfahren konnten.

Schon kurz nach der Abfahrt, bei Passieren einer abgesperrten Kreuzung, wurde der Alptraum eines jeden Organisators von Ausfahrten dieser Größenordnung wahr. Als etwa die Hälfte des Konvois die Kreuzung passiert hatte, kam aus der abgesperrten Straße ein Politiker in seiner gepanzerten Limousine, seinerseits ebenfalls mit Polizei-Eskorte, und durchtrennte das gesamte Fahrerfeld. Ich war einer der Ersten, der anhalten musste. Als der Politiker durch war, durften wir weiter fahren. Doch – wohin? Natürlich sind wir erst mal in die Richtung gefahren, in der der vordere Teil des MEP Rides verschwunden war. Aber wie ging's weiter?

Für die Polizei und die Road-Marshals unseres Schwesterverbands MAG Belgium war es eine echte Herausforderung, die beiden Teile des Konvois wieder zusammen zu bringen, was dann aber nach ca. 5 km in einer Autobahn-Ausfahrt gelang. Weiter ging es über insgesamt ca. 90 km durch die belgische Pampa, durch unzählige kleine Dörfer. Die Road-Marshals und die Polizei leistete wirklich hervorragende Arbeit. Jede der Kreuzungen und Vorfahrtsstraßen wurde sauber abgesperrt. Sekunden nachdem der letzte Teilnehmer vorbei war, haben die Marshals mit atemberaubendem Tempo den Konvoi überholt, um die nächste Gefahrenstelle zu sichern.

Nach über zwei Stunden Fahrt näherten wir uns Zolder und erreichten schließlich die dortige Rennstrecke, auf der wir eine Ehrenrunde drehen durften. Wir wurden schon erwartet. Denn direkt nach uns wurde die Strecke für Rennrad-Fahrer freigegeben, die dort trainierten.

Für uns drei BU'ler ging die Arbeit dann aber erst richtig los. Etwa 50 - 60 Teilnehmer hatten sich Helme ausgeliehen und dafür ihren Ausweis als Pfand zurückgelassen. Für die Rücknahme, Sortierung nach Größen und ordnungsgemäße Einlagerung in Kartons war wir zuständig.
 

Gegen 19:30 Uhr wurde dann das Buffet eröffnet, zu dem wir mit etwas Verspätung kamen, da noch nicht alle Helme zurückgegeben waren. Gegen 21:30 Uhr löste sich die Veranstaltung auf. Kurze Zeit später hatten wir auch unseren Stand abgebaut und konnten zu unserem Hotel in Zolder fahren. Wir haben den Abend mit der finnischen Delegation noch in einer naheliegenden Kneipe in Zolder in gemütlicher Runde ausklingen lassen.Am nächsten Morgen haben wir in aller Ruhe gefrühstückt, unsere Mopeds beladen und einen Abstecher zur nahe gelegenen Motorradwerkstatt gemacht, die meine Schaltung reparieren konnte. Über kleine Nebenstraßen brachte uns Hilton dann zur Autobahn, auf der wir uns in Richtung Heimat machten. Hilton setzte seine Reise zum Teil “über Land”, zum Teil auf der Autobahn fort, um zur Saisoneröffnungsparty nach Hildburghausen zu fahren. Denn dort wurde er schon sehnsüchtig erwartet.

Für mich war das der erste Ausflug in die “hohe Politik” der Biker Union. Wegen unseres Einsatzes zur Unterstützung der FEMA-Mannschaft haben wir vom offiziellen Programm in Zolder zwar nicht viel mitbekommen. Trotzdem waren die beiden Tage sehr interessant. Es wird wohl nicht das letzte Mal sein, daß ich mich als “Freiwilliger im Auftrag der BU” zur Verfügung stelle.
 

Martin Funke
BU-Stammtisch Kelkheim

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